© Jacqueline Achermann

Das Rätsel um die Abstammung der Rebsorte Müller-Thurgau

Immer wieder wurde angezweifelt, dass der Sylvaner einer der Elternteile des Müller-Thurgaus sei. In den 1990er-Jahren konnte dies auch dank gentechnischer Analysen bestätigt werden. Eine führende Rolle hatte damals Ferdinand Regner der HBLA Klosterneuburg (A) inne, der den Weg der Erkenntnis bis heute zusammenfasst.

Artikel von:
Ferdinand Regner
HBLA und BA Klosterneuburg, Österreich
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 10/11 / 2025 , S. 38
Hermann Müller (geb. 1850) aus dem Thurgau gilt als einer der erfolgreichsten Rebenzüchter seiner Zeit. Obwohl er nur einige Jahre in Geisenheim (1876–1890) diese Tätigkeit verfolgte, erzielte er mit seiner Neuzüchtung grosses Interesse. Sein Wirken wird heute als der Beginn der systematischen Rebenzüchtung betrachtet. Sein Sämling mit der Nummer 58 schaffte die grösste jemals erreichte Flächenausdehnung, die einer aus systematischer Kreuzungsarbeit entstandenen Sorte zuteil wurde. Sie galt als ein Versuch, die Sorten Riesling und Sylvaner so zu kombinieren, dass der Geschmack mehr vom Riesling und das Reifeverhalten vom Sylvaner zum Durchbruch kommen sollten. Die Frühreife und sicher auch der blumige, aromatische Geschmack verhalfen den Weinen zu grosser Beliebtheit. Was die Abstammung anbelangt, wurden schon sehr früh Bedenken gegen die Elternschaft Riesling × Sylvaner angemeldet. Die vorliegende Sorte zeigte zwar einige Eigenschaften von Riesling, aber die Herkunft von der Rebsorte Sylvaner konnte eigentlich nicht nachvollzogen werden. Angesichts der Tatsache, dass Müller, als ...