Die unsichtbaren Winzer: Wie das mikrobielle Terroir zur Weinqualität beiträgt

Die Identität eines Weins entsteht nicht nur aus dem Zusammenspiel von Boden und Klima, sondern wird auch vom Mikrobiom des Rebbergs beeinflusst – einem bislang unterschätzten 
Faktor mit grossem Einfluss auf Stil und Qualität.

Artikel von:
Lena Flörl
ETH Zürich
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 02 / 2026 , S. 14
Die Geschichte des Weins ist fast so alt wie die Zivilisation selbst. Schon vor rund 7000 Jahren wurde im heutigen Georgien Wein produziert, und die Kultivierung der Rebe (Vitis vinifera) begann wahrscheinlich noch früher, vor etwa 11 000 Jahren. Was einst als lianenartige Wildpflanze mit winzigen, sauren Beeren begann, hat sich durch jahrtausendelange Selektion zu einer unglaublichen Vielfalt entwickelt. Heute kennen wir weltweit fast 10 000 Rebsorten. Wein war dabei nie nur ein Nahrungsmittel. Er ist ein Kulturgut, ein Symbol für Geselligkeit und Identität. Doch was macht die Identität eines Weines wirklich aus? Lange Zeit hatten wir darauf eine klassische Antwort: das Terroir.  

Terroir 2.0: Mehr als nur Boden und Klima

Weinliebhaberinnen kennen den Begriff Terroir. Es beschreibt den «Geschmack der Herkunft» – jene einzigartige Kombination aus Bodenbeschaffenheit, lokalem Klima, der Topografie des Rebbergs und der Handschrift des Winzers. Diese Faktoren sind so entscheidend, dass wir sie durch Herkunftsbezeichnungen schützen. Doch in den letzten Jahren hat ...