Mineralität im Wein: Substanzloses Substantiv?

Die Beschreibung von «Mineralität» im Wein erwähnten Weinkritiker ab den 1980er-Jahren. Seither wird sie häufig mit dem «Terroir» in Verbindung gebracht. Doch wie kommt der Stein in den Wein?

Artikel von:
Jacqueline Achermann
O+W
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 03 / 2026 , S. 13
«Oh, der Wein ist aber mineralisch!» Das Wort Mineralität hält sich in der Weinsprache hartnäckig. Doch nicht einmal im Duden lässt sich der Begriff finden. Man könnte fast behaupten, der Terminus habe sich sein eigenes Biotop geschaffen. Sei gar von invasiver Natur. Ein durch Weinkritiker eingeschleppter Ausdruck, der sich in der Weinsprache unkontrolliert ausbreitete und sich inzwischen – ohne natürlichen Gegenspieler – das Terroir zu eigen macht. Was damit gemeint ist? Dem gehen wir nun auf den Grund. Besser gesagt: Auf den Untergrund. Denn Mineralität, soviel steht fest, lässt sich durchaus definieren und analysieren. Wer im Wein mineralische Aromen wahrnimmt, bildet sich diese also nicht bloss ein. Allerdings beruht der Eindruck, entgegen landläufiger Annahme, nicht auf gelösten Mineralien aus dem Boden. Diese riechen nämlich nicht und schmecken nur bedingt. Vielmehr beschreibt Mineralität eine physische Empfindung im Mund, einen trigeminalen Reiz, das bekannte «Chrüselen» auf der Zunge. Manche Fachleute sprechen gar ...