«Nüchterne» Freundschaften

Das 19. Jahrhundert stand in wissenschaftlicher, politischer wie gesellschaftlicher Hinsicht unter dem Motto des Aufbruchs. Im Sog der Abstinentenbewegung wurde auch der Grossraum Zürich zum Schauplatz bemerkenswerter Entwicklungen – nicht zuletzt dank Auguste Forel, Hermann Müller-Thurgau und Susanna Orelli-Rinderknecht.

Artikel von:
Markus Matzner
Chefredaktor O+W
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 10/11 / 2025 , S. 80
Ihre Biografien weisen bemerkenswerte Parallelen auf. Beide erblickten das Licht der Welt an den Ufern eines grossen Schweizer Gewässers. Der eine am Boden-, der andere am Genfersee. Ihr Werdegang führte sie vorübergehend ins Ausland, wo sie wichtige Meilensteine erreichten und die Basis ihrer wissenschaftlichen Karriere legten, die sie wiederum beide am Zürichsee zur vollen Blüte brachten. Und beide hatten auch, aber nicht nur, mit alkoholischen Getränken zu tun. Der eine, Hermann Müller-Thurgau, revolutionierte den Schweizer Weinbau, interessierte sich aber auch für das Verfahren der Pasteurisierung, um alkoholfreie Getränke für die breite Masse herzustellen. Der andere, Auguste Forel, erforschte das Gehirn und dessen Wechselwirkungen zur Psyche und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem bedeutenden Sozialreformer (Abb. 1).     Abb. 1: Auguste Forel mit «Fräulein Steinheil», wie er seine Frau liebevoll nannte. (© zVg)   Als Anhänger einer Erbgesundheitslehre, die man Eugenik nannte und die im 19. Jahrhundert ...