© Rico Lüthi
Terroir und Wiege der «Vertikale von Männedorf»: Lage Püntacher in Stäfa am Zürichsee, 501 m ü. M., Tonanteil 40 %, schwach humos (3 %), pH 7.8.

Zur sensorischen Ver­messung von Müller-Thurgau-Weinen

Müller-Thurgau ist – im besten Fall – in aller Munde. Wäre seine diesjährige Pressepräsenz das alleinige Mass der Dinge, liessen sich deutliche Anzeichen einer Müller-Thurgau-Renaissance erkennen. Der für viele Winzer und Önologinnen massgebliche Weinsen­sorikdozent Hans Bättig nimmt uns mit auf eine persönliche Reise durch das vielschich­tige Ausdrucksspektrum dieser oft gescholtenen Rebsorte und kommt zu überraschenden Schlüssen.

Artikel von:
Hans Bättig
Agronom, Bättig Weinkonzepte GmbH 

Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 10/11 / 2025 , S. 44
Im Sog der diesjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten hatte auch ich mein Schlüsselerlebnis. Am 14. April 2025 war ich Mitglied eines exklusiven Degustationsgremiums, das sich in Männedorf mit einer gewissen Ehrfurcht und einer guten Portion Neugier über eine Müller-Thurgau-Vertikale der Jahrgänge 1998 bis 2023 beugte, die ausschliesslich aus der Weinbau- und Vinifikationsschmiede von Rico Lüthi, Winzer und Weinbereiter aus Männedorf, stammte. Sie förderte Erkenntnisse zu Tage, die ich bis zu diesem Zeitpunkt in dieser Art nicht für möglich gehalten hätte. Immerhin hatte mich die Rebsorte schon seit Jahrzehnten in meinen Tätigkeiten als Ausbildner, Berater und Weinprämierer beschäftigt und in ihrer sensorischen Ausprägung immer wieder – im Guten wie im Schlechten – in den Bann gezogen. Die «Vertikale von Männedorf» (Abb. 1) bestärkte mich schliesslich in meinem Ansinnen, ebenfalls einen Beitrag zum Jubiläumsjahr des grossen Wissenschaftlers Hermann Müller-Thurgau zu verfassen. Selbst auf das Risiko hin, mit meinen empirisch gewachsenen Erfahrungen und Überlegungen nicht alle Anforderungen an eine wissenschaftliche Betrachtung ...