Das Ziel des Nachpflanzens von Reben in einer Rebparzelle besteht darin, entstandene Lücken zu schliessen und dadurch eine gleichmässigere Bestockung zu erreichen. Die Standzeit von Rebanlagen hat sich in den letzten 30 Jahren deutlich verändert. Während früher Nutzungsdauern von 20 bis 95 Jahren üblich waren, liegt sie heute meist bei 30 bis 40 Jahren, selten darüber. Teilweise ist die Betriebsnachfolge, besonders in der jetzigen Situation, ungewiss, was den langfristigen Fortbestand eines Weinguts gefährdet. Zudem führen moderne, langlebige und nahezu wartungsfreie Unterstützungssysteme zu hohen Materialkosten, was eine Neuanlage oft hinauszögert. Auch Weine aus alten Reben erfreuen sich grosser Nachfrage. Die Annahme, dass ältere Reben eine höhere Traubenqualität liefern, ist nicht unbegründet. Ältere Anlagen verfügen in der Regel über ein tiefer reichendes Wurzelsystem und sind dadurch trockentoleranter. Gleichzeitig wirkt sich der meist geringere Ertrag positiv auf die Qualität aus. Häufig sind ältere Rebflächen zudem gut mechanisierbar und mit geeigneten Sorten bepflanzt. Viele Argumente sprechen daher für eine verlängerte Standzeit von Rebanlagen.
Gründe für das Nachpflanzen
Trotz sorgfältiger Pflege kommt es immer wieder zu Ausfällen. Die Hauptursachen sind das Absterben von Rebstöcken infolge eines Esca-Befalls (Abb. 1), mechanische Schäden («Eisenwurm») (Einstiegsbild), Witterungseinflüsse sowie Überalterung. Um Lücken nachhaltig zu schliessen, sollten ausschliesslich Pfropfreben verwendet werden. Das Vergruben oder die Pflanzung von wurzelechten Stecklingen ist bei uns verboten (Abb. 2). Vorübergehend kann eine Lücke mithilfe einer verlängerten Tragrute (Strecker) oder eines Kordonarms überbrückt werden. Diese Lösung sollte jedoch nicht zur Dauerpraxis werden, es sei denn, die Anlage soll in naher Zukunft ohnehin gerodet werden.

Abb. 1: Esca-Befall. (© Agroscope)
Ein kontinuierliches Nachpflanzen ist nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn der zusätzliche Traubenertrag die entstehenden Kosten deckt. Grundsätzlich gilt: Je jünger eine Anlage ist, desto eher lohnt sich ein vollständiger Lückenschluss. Spätestens im zweiten Standjahr einer Neuanlage sollten fehlende Stöcke ersetzt werden. In den ersten Standjahren ist das Nachpflanzen deutlich einfacher als später. Jungpflanzen stehen mit etablierten Reben in Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe, wodurch sowohl das Pflanzen als auch die anschliessende Pflege anspruchsvoller werden. Wichtig ist, dass vor der Nachpflanzung der alte Stock mitsamt seinen Wurzeln vollständig entfernt wird und das Pflanzloch ausreichend gross angelegt ist. Idealerweise erfolgt das Nachpflanzen frühzeitig, bevor ältere Reben und Begrünung eine starke Konkurrenz um Wasser aufgebaut haben. Für Nachpflanzungen in ältere Anlagen empfiehlt es sich, auf wüchsige Unterlagen (z. B. 110R, 125AA, 5BB) auszuweichen.

Abb. 2: «Vergrubter» Ableger eines Räuschlings. (© Agroscope)
Hochstammreben
In den letzten Jahren haben sich für Nachpflanzungen vermehrt Hochstammreben etabliert. Zwar sind sie etwa doppelt so teuer wie Normalreben, dafür reduzieren sie den Pflegeaufwand in den ersten beiden Jahren deutlich, da sie schneller mit den bestehenden Reben mitwachsen. Dennoch sollte vermieden werden, wüchsige Hochstammreben zu früh zu stark zu belasten. Normalreben benötigen anfänglich mehr Pflege und werden nach der Pflanzung meist durch ein Pflanzrohr geschützt. An Standorten mit häufigen Winterfrösten sind sie oft die bessere Wahl, da sie bei Stammschäden aus der bodennah geschützten Veredlungsstelle neu aufgebaut werden können. Die Anwachsrate liegt bei Hochstammreben leicht über jener von Normalreben. Hinsichtlich der Lebensdauer liegen unterschiedliche Erfahrungen vor.