© Th. Gut Verlag, das Risiko von Pfanzenschutzmitteln nimmt dank besserer Applizierung ab

BLW: Risiken der Pflanzenschutzmittel nehmen ab

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) veröffentlicht zum ersten Mal die Berechnungen der Risikoindikatoren für Pflanzenschutzmittel (PSM). Diese haben ergeben, dass die von der Landwirtschaft zur Risikoreduktion ergriffenen Massnahmen erfreulicherweise ihre Wirkung zeigen. Doch passen die Zahlen für alle Branchen gleichermassen?

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Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 01 / 2023 , S. 28

Im Jahr 2021 legte das Parlament das Ziel fest, bis 2027 die mit PSM verbundenen Risiken für Oberflächengewässer, das Grundwasser und naturnahe Lebensräume wie beispielsweise Biotope um 50 Prozent zu reduzieren. Um diese Risiken berechnen zu können, wurden Indikatoren entwickelt. Diese basieren auf dem Risikopotenzial jeder einzelnen Substanz, auf den davon verkauften Mengen und auf den zur Risikominderung getroffenen Massnahmen. Die ersten Berechnungen sind vielversprechend, doch bis zur Erreichung der Ziele in der Praxis ist es noch ein weiter Weg. Dies schreibt das BLW Ende November 2022 in einer Mitteilung.

Erfreuliche Berechnungen

Die Berechnungen zeigen, dass dank der deutlichen Reduzierung des Einsatzes von Produkten, die das Grundwasser verunreinigen könnten, das Kontaminationsrisiko verglichen mit dem Referenzzeitraum 2012 bis 2015 um die Hälfte verringert werden konnte. Auch das Risiko für Oberflächengewässer ist rückläufig. Das ist unter anderem der Sanierung von Waschplätzen für Spritzgeräte und den Massnahmen zur Verringerung von Abdrift und Abschwemmung zu verdanken. Der Indikator für naturnahe Lebensräume zeigt noch keine Verbesserung bezüglich Risikoreduktion. Um die Risiken noch weiter senken zu können, hat der Bundesrat am 1. Januar 2023 zusätzliche Reduktionsmassnahmen eingeführt. Dazu zählt, dass Antidriftdüsen obligatorisch werden. Ausserdem werden im ökologischen Leistungsnachweis bestimmte Pestizide verboten, wenn ein weniger gefährliches Alternativprodukt zugelassen ist. Dies wird helfen, das Risiko für Oberflächengewässer und naturnahe Lebensräume weiter zu reduzieren.

Mehr PSM für die Biolandwirtschaft verkauft

Im Jahr 2021 musste die Schweizer Landwirtschaft vermehrt PSM einsetzen, weil die Witterungsbedingungen schlecht waren. Die starken Niederschläge begünstigten die Ausbreitung von Krankheiten, beispielsweise bei Reben, Obst und Kartoffeln. Um die Ernte zu schützen oder zu retten, mussten die Landwirtinnen und Landwirte mehr Behandlungen durchführen. Dabei ist wichtig zu betonen, dass dieser Anstieg zwar den Reduktionstrend der letzten Jahre verlangsamt, er aber in erster Linie PSM betrifft, die auch in der Biolandwirtschaft zugelassen sind.

Bei den Fungiziden lässt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg der Verkaufsmengen um 187 t feststellen; davon wurden Schwefel, Kupfer und Kaliumbicarbonat insgesamt 170 t mehr verkauft. Bei den Insektiziden wurde eine Zunahme beim Paraffinöl verzeichnet (+154 t). Dabei handelt es sich um ein Insektizid, das in der Biolandwirtschaft zugelassen ist und als Ersatz für Chlorpyrifos dient und im Jahr 2020 verboten wurde. Bei den Herbiziden ist hingegen ein erneuter Rückgang der Verkaufsmengen festzustellen (-18 t gegenüber 2020). Im Jahr 2021 wurden insgesamt 2259 t PSM verkauft.

Fazit und Ausblick

Die BLW-Mitteilung bezieht sich auf die Auswirkungen auf die gesamte Schweizer Landwirtschaft. Dass die Verkäufe von konventionellen Pestiziden zurückgegangen und diejenigen von Bio-Pestiziden gestiegen sind, stimmt optimistisch. «Durch die Streichung einer Reihe von Hochrisikoprodukten hat sich auch das Gesamtrisiko verringert», schätzt Kathleen Mackie-Haas von Agroscope für uns ein. Jedoch relativiert sie die Medienmitteilung: «Ich bin mir nicht sicher, wie das Bild aussehen würde, wenn man nur den Weinbau berücksichtigen würde. Man braucht mehr Information, um das zu übertragen», so Mackie-Haas. Wie sich die Situation weiter entwickeln wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

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