Schon beim einleitenden Mittags-Apéro war spürbar: Hier trifft sich nicht eine alteingesessene Organisation, sondern ein eher junges Grüppchen von tatkräftigen, innovativen und experimentierfreudigen Personen – teils nicht einmal aus der Obst- oder Weinbranche. Oft wird die Cider-Herstellung, vergleichbar mit lokalen Klein-Bierbrauern, eher als sympathisches Hobby betrieben. Ein bisschen als naturnaher Ausgleich zu einem Bürojob.
Paolo Spagnolo, Kurator des MoMö-Museums bei der Mosterei Möhl in Arbon (TG) ist aktuell die treibende Kraft und das Gesicht hinter der Cider-Bewegung in der Schweiz. Firmennamen wie Incider, Backstabber oder Keller Cider spiegeln ihre Kreativität. Keller Cider zum Beispiel produziert eine kleine Auflage in Endingen im Surbtal (AG), das als prickelndes Naturprodukt aus lokalem Obst angepriesen wird. Cider ist nicht gleich Cider, das wird schon bei Backstabber sichtbar: Der Klassische, der Holzige, der Herbe, der Süsse sind im Angebot. Oder wie es bei Möhl heisst: Cider-Clan.
Eine Umfrage nach dem ersten Cider Summit hat gemäss Spagnolo ergeben, dass neben Markt und Trends ein grosses Interesse an der Produktentwicklung, insbesondere in den Bereichen Rohstoff, Hefe sowie Fermentation besteht. Gewünscht wird ausserdem der Austausch unter den Herstellenden. Es geht so weit, dass eine Offenheit da ist, Marktbearbeitungsaktivitäten zusammen anzugehen. Darunter fallen auch gemeinsame Auftritte an Messen und Festivals, aber auch Bildungsreisen. Positiv wird auch eine Interessengemeinschaft gesehen, welche fokussiert die Interessen der Schweizer Cider-Produzierenden vertritt. Die Befragten sind geschlossen für eine Weiterführung des Formats.
Die GLUG 26
Als führender Treffpunkt für Brauerinnen und Getränkeproduzenten bietet die
Glug als zweitägiger Branchenevent eine zentrale Plattform für den Austausch zwischen nationalen und internationalen Anbietern sowie Schweizer Abnehmern entlang der gesamten Informations- und Wertschöpfungskette der Getränkeproduktion.
Cider im Konsumtrend
Während bei Wein und alkoholhaltigem Bier der Trend eher abwärts zeigt, scheint beim Cider noch Luft nach oben vorhanden zu sein – wohlgemerkt in kleineren Dimensionen. Mit dem Cider gelingt es, sich vom etwas verstaubten «Suure Moscht»-Image abzuheben.
Die Hefe ist wichtig
Stefan Lupprich von der Firma Fermentis wurde zu einem Referat zum Thema «Cidre – Apfelwein – Most: Der Einfluss der Hefe» eingeladen. Bevor die Hefen wirken können, gibt es schon Unterschiede bei den Früchten, welche dafür genutzt werden. Mit folgenden Kategorien, welche auf Barker 1903 zurückgehen:
- Sweet
- Bittersweet
- Bittersharp
- Sharp
Dabei kann man sharp vereinfachend mit «sauer» übersetzen. Je nach Rohstoff und Herstellungsverfahren gelingt es, unterschiedliche Geschmacksprofile in die Flaschen zu bringen. Bitterstoffe, Säuregehalte und Zuckeranteile sind, je nach dem, was als Endprodukt vorgesehen ist, fein aufeinander abzustimmen. Je nach gewünschtem Produkt können auch die entsprechenden Hefen ausgewählt und die Sorten-Hefen-Klaviatur gepaart mit eigenem Know-how und Fingerspitzengefühl gespielt werden.
Zweites Cider-Festival
Nach dem Erfolg des ersten Cider Festivals im Rahmen der Expo Fruits Basel in der Markthalle Basel wird die zweite Auflage am gleichen Ort und angegliedert an den Öpfeltag am 17. Oktober 2026 stattfinden.