Stillleben mit Artischocken. (© M. Beyeler)

Hermann Müller-Thurgau – der vergessene Förderer der Spezialkulturen

Müller-Thurgaus Bekanntheit als Rebenzüchter und Önologe wird seiner umfassenden Leistung für den Anbau und die Verwertung zahlreicher Spezialkulturen nicht gerecht. So förderte er in einer bemerkenswerten Breite alle Bereiche dieser Kulturen und die Verwertung ihrer Produkte. Dank seiner Erkenntnisse und seiner Neugier, Problemen auf den Grund zu gehen, inspiriert er bis heute.

Artikel von:
Lukas Bertschinger
Präsident ErlebnisMüllerThurgau
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 16+17 / 2025 , S. 28
Nach seinem Amtsantritt als Direktor der Versuchsstation und Schule in Wädenswil im Jahr 1891 veranlasste Müller-Thurgau die Pflanzung umfangreicher Gemüsekulturen. Das damals verwendete Gemüsesaatgut war oft uneinheitlich und die Sortenwahl wenig systematisch. Deshalb begann er mit der Prüfung und Selektion bevorzugter Linien und deren gezielten Vermehrung. Die Versuchsstation kultivierte und prüfte über 35 Gemüsearten – von Blumenkohl, Wirsing und Tomaten bis hin zu exotischeren Kulturen wie Artischocken (Einstiegsbild), Cardy (Gemüseartischocke) und neuseeländischem Spinat. Analog dazu legte die Versuchsstation auch die Grundlagen für den modernen Beerenanbau und eine entsprechende Ausbildung. Diese Arbeit ebnete den Weg für spätere Erfolge im Beerenanbau, beispielsweise die Züchtung der bis heute bekannten Erdbeersorte Wädenswil 6 (1954, Abb. 1) oder der robusten und ertragsreichen Himbeersorte ZEFA 2 (1953). Ab 1927 wurden bis in die 1970er-Jahre zahlreiche Gemüsearten gezüchtet. Dazu zählen die ZEFA-Sorten von Kohl, Zwiebel, Fenchel, Zichorie, Brokkoli, Herbstrüben und Lauch, die damals im Erwerbsanbau und heute ...