© pexels/Jonathan Borba

Hofübergaben sind nichts für Romantikerinnen und Romantiker

Jährlich werden 900 Landwirtschaftsbetriebe aufgegeben. Gleichzeitig suchen junge Berufsleute einen solchen, oft ohne Erfolg. Agrarrechtsexperte Martin Goldenberger vom Schweizer Bauernverband (SBV) gibt Einblick in ein schwieriges Kapitel der landwirtschaftlichen Praxis, das auch die Spezialkulturen betrifft.

Artikel von:
Benno Jungo
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 15 / 2024 , S. 14
O+W: Herr Goldenberger, Sie sind Leiter von Agriexpert, der Beratungsstelle für Agrarrecht des Schweizer Bauernverbands (SBV) in Brugg (AG). Beschäftigt Sie das Thema der ausserfamiliären Hofübergaben regelmässig? Martin Goldenberger: Ja, wir sind praktisch täglich mit dieser Frage konfrontiert. Was sind die Hauptgründe, weshalb Höfe aufgegeben und nicht ausserfamiliär weitergeführt werden? Den Hof als Einheit zu verkaufen, bedeutet in der Regel auch den Wegzug vom Hof und ein neues Umfeld aufbauen zu müssen. Dies im Gegensatz zu einer «herkömmlichen» Pensionierung. Der «Familiensitz» kann auch «nur» mit wohnen auf dem Betrieb gehalten werden, ohne dass Nachkommen Selbstbewirtschaftung ausüben müssen. Dieser Punkt wird häufig deutlich höher gewichtet als den Hof in seiner ursprünglichen Form als aktiver Betrieb zu erhalten. Dazu kommt, dass der Ersatzkauf eines Wohnhauses/einer Wohnung wesentlich teurer kommt, als das Bestehende zu behalten. Viele wären motiviert, den Hof ausserfamiliär zu übergeben. Die Realität ist dann eine andere. Wo drückt der Schuh einerseits bei den Abtretenden, ...