© Privatarchiv Rolf Nussbaumer, Zug, Abb.: Familie Josef Nussbaumer vor ihrer Kirschbrennerei am Knopfliweg 4 in Zug, 1922

Kirschbrennereien prägten die Stadt Zug

An 15 Orten in der Stadt war das einst blühende Kirschgewerbe präsent. Zukünftig soll es geführte Touren geben, die die damaligen Wirkstätten vorstellen und ihre Geschichten erzählen. Denn das Kirschbrennen war mehr als nur ein Gewerbe, es ist ein wichtiges Stück Zuger Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte.

Zuger-Rigi-Kirsch
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 01 / 2023 , S. 31

In der Stadt Zug sind einzelne Überbleibsel sichtbar, die auf die einst lukrative Kirschbrennerei hinweisen: In die Mauer bei der Chamerstrasse 6 eingelassen findet sich ein Sandsteinwappen mit Chriesizweigen. Es stammt von der 1870 gegründeten «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug», die ihren Hauptsitz an diesem Ort hatte und jährlich bis zu 500 t Kirschen verarbeitete und den Kirsch in die ganze Welt exportierte. Die Brennereien wurden von alteingesessenen Familien wie Bossard, Keiser, Weiss, Wyss, Speck, Landtwing oder Etter betrieben. Im Vorstand der wegweisenden «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug», ein 1870 erfolgter Zusammenschluss von 116 Brennern und Bauern, sass die gesamte Zuger Elite.

Im Zurlaubenhof an der Hofstrasse steht das alte Brennhaus von 1833, in dem die Familie Bossard vermutlich spätestens ab 1843 Kirschwasser destillierte und dafür zahlreiche nationale und internationale Goldmedaillen und Auszeichnungen erhielt. Beim barocken Gebäude der Münz in der Zeughausgasse kann man am Portal über dem Hofeingang heute noch die Anschrift des damaligen Kirschbrenners erkennen, der den König von Rumänien mit Kirsch belieferte: «Kirsch-Destillation, Weine, Aug. Wyss, vormals M. A. Wyss. Gegründet 1851». Und im Rosenberg oberhalb der Stadt, ab 1868 Wirkungsstätte der Familie Theiler, ist eine historische Häfelibrennerei installiert, mit der man noch bis 1968 Kirschwasser destillierte.

Das Kirschdepot im Originalzustand

Als einziges Baudenkmal, das die goldenen Zeiten der Stadtzuger Kirschbrennerei verkörpert, hat die ehemalige Brennerei mit Kirschdepot an der Aegeristrasse 40 überlebt. Hier, im Holzbau an der Stadtmauer, wurde während fast 100 Jahren Kirschwasser gebrannt und in grossen Korbflaschen und Fässern gelagert. Zuerst war es Caspar Keiser, der an diesem Ort ab 1883 Kirsch destillierte, 1911 vermietete er das Lokal an die tonangebende Kirschwasser-Gesellschaft, die es vor allem als Depot nutzte, und ab 1918 stellte die Familie Nussbaumer während Jahrzehnten Kirsch und andere Spezialitäten her (Titelbild). Im Innern sind noch die Zuleitung zum einstigen Brennhafen, ein grosser Maischetank sowie ein Lift zum Transport der schweren Korbflaschen ins Dachgeschoss erlebbar. Und innen an der grossen Holztür ist ein Brandzeichen der Kirschwasser-Gesellschaft sichtbar. Aussen erinnert der Kamin, der sich oberhalb der Brennerei befindet sowie einige an der Fassade aufgehängte Chriesileitern an die goldene Zeit, als das Zuger Kirschwasser weltweiten Ruhm erlangte.

Drei Stadtzuger Kirschbrennereien

Als gewerbliche Brennereien existieren heute noch die Destillerie «Etter Söhne AG» im Choller, die Destillerie «Weiss zum Erlenbach» in Cham, die sich ebenfalls zu den Stadtzuger Brennereien zählt, und die 2005 gegründete «Schnapsmacherei» von Thomas und Cordula Heiner im Zurlaubenhof. Die seit 1807 bestehende gewerbliche Hafenbrennerei «Freudenberg» in Oberwil-Zug gab ihre Tätigkeit 2020 auf. Daneben gibt es noch einige bäuerliche Betriebe, die aus den Brennkirschen von Hochstammbäumen Zuger Kirschwasser herstellen, das vor allem auch für die Kirschtorte oder für Kirschstängeli verwendet wird.

Weitere Informationen unter www.zuger-rigi-kirsch.ch

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