Thurgauer Mini-Kiwis. (R. Bossert)

Mini-Kiwi-Produktion in der Schweiz

Noch vor ein paar Jahren glaubten Produzierende und Händler an den grossen Erfolg mit Mini-Kiwis. In den Jahren 2018 und 2019 wurden allein im Kanton Thurgau zwischen 20 bis 30 Tonnen geerntet. Das Interesse der Konsumierenden und Detaillisten hingegen blieb gering und das Bereitstellen der zarten Früchte im richtigen Reifestadium ist eine Herausforderung.

Artikel von:
Ruth Bossert, LID / O+W
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 14 / 2023 , S. 28

Vor einigen Jahren hat Andreas Eberle auf seinem klassischen Obstbaubetrieb auf die Produktion von Mini-Kiwis gesetzt. «Wir waren überzeugt, dass wir mit den feinen Früchtchen die Konsumentinnen und Konsumenten begeistern können», sagt er heute leicht resigniert. Er war mit dabei, als Produzierende und die Landi Hüttwilen als Vermarkterin die Interessengemeinschaft (IG) Mini-Kiwi gründeten. Die IG hatte grosse Ziele und wollte die Wirtschaftlichkeit fördern, die Wertschöpfung in der Region behalten und den ökologischen und ökonomischen Anbau und die Vermarktung fördern und koordinieren. Die Mitglieder waren vom Potenzial der süssen Frucht überzeugt. Zum einen überzeuge sie mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt, dem intensiven Aroma und dem praktischen von der Hand-in-den-Mund-Essen. Zum anderen sei die Kultur für die Produzentinnen und Produzenten zwar arbeitsintensiv, doch fallen die meisten Arbeitsschritte auf den Betrieben an und damit bleibe die Wertschöpfung in der Landwirtschaft und sei für die Betriebe interessant. Die Gründung der IG erfolgte im Rahmen eines Projekts Regionale Entwicklung (PRE).

Potenzial überschätzt

Heute, fünfeinhalb Jahre später, sieht die Sache etwas anders aus. Nach den grossen Ernten in den Jahren 2018 von 30 t, im Jahr 2019 von 20 t habe sich im Jahr 2020 die Erntemenge halbiert, sagt Rudolf Grunder, Geschäftsführer der Landi Seebachtal, wie die Landi Hüttwilen heute heisst. Seither sei die Menge auf ungefähr sieben Tonnen zusammengebrochen. Gründe dafür gebe es viele, so Grunder. Auch sei man möglicherweise zu euphorisch die Sache angegangen. Die IG Mini-Kiwi habe möglicherweise das Potenzial überschätzt, zudem war die Mini-Kiwi bei den Konsumentinnen und Konsumenten noch unbekannt. Was bei einem Hofladen gut funktioniert, indem man der Kundschaft die spezielle Frucht erklärt, sie kosten lässt und schliesslich auch zum richtigen Zeitpunkt frisch, süss und fruchtig verkauft, sei bei den Detaillisten enorm schwierig, schildert Grunder die Situation. Als grüne, eher unscheinbare Frucht brauche die Mini-Kiwi im Ladengestell einen besonders guten Standort, um neben den knalligen Erd-, Him- und Brombeeren beachtet zu werden. Zudem sei der Reifegrad wichtig und diesen optimal zu erkennen, sei eine hohe Kunst. Und wenn Konsumentinnen und Konsumenten nur einmal eine überreife oder eine harte Mini-Kiwi im Körbchen haben, lassen sie sie das nächste Mal links liegen. Bei einigen Produzierenden seien auch Frostschäden dazugekommen und so sei die Anzahl Produktionsbetriebe im Thurgau auf eine Handvoll gesunken. Grunder rechnet, dass sich die Vermarktung bei ungefähr zehn Tonnen einpendeln wird.

Mini-Kiwis

Mini-Kiwis sind Kiwibeeren, die unter der Schale stark der herkömmlichen Kiwi ähneln. Sie haben drei entscheidende Vorteile: Die Mini-Kiwi wird mit der Schale gegessen. Die mundgerechte Grösse erlaubt den Verzehr am Stück. Das Aroma ist intensiver und süsser als bei der behaarten Schwester. Ursprünglich stammt die Mini-Kiwi aus den Regenwäldern Südostasiens. Dort wird die Frucht schon seit Jahrhunderten angebaut. Mini-Kiwis werden von Hand geerntet und sollten rasch konsumiert werden. Verkauf ab Ende August.

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