Das Vegetationsjahr 2025 war geprägt von einem aussergewöhnlich milden Winter und einem der trockensten Frühjahre der vergangenen Jahrzehnte. Hohe Temperatursummen an warmen Standorten förderten zwar die Oosporenreife, jedoch fehlten vielerorts die für die Primärinfektion notwendigen Niederschläge. In Wädenswil setzte die Vegetation früh ein: Müller-Thurgau trieb am 15. April aus, Blauburgunder folgte am 22. April. Damit lag der Austrieb zwar später als im extrem frühen Jahr 2024, aber weiterhin deutlich vor dem langjährigen Mittel (Abb. 1). Der April gehörte schweizweit zu den sechs wärmsten seit Messbeginn 1864 und war insbesondere in der Ostschweiz extrem trocken.

Abb. 1: Austrieb der Reben auf der Halbinsel Au. Die Pflanzenschutzsituation war zu diesem Zeitpunkt entspannt. (© O+W)
Falscher Mehltau: verzögerter Start, insgesamt moderater Befall
Die ersten potenziellen Primärinfektionen wurden Anfang Mai für das Tessin, das Rheintal und später auch für Wädenswil berechnet. Aufgrund geringer Regenintensitäten und kühler Nächte blieben sichtbare Symptome zunächst aus. Der erste Ölfleck in der unbehandelten Blauburgunderparzelle Wädenswil wurde erst am 27. Mai gefunden, vermutlich als Folge der möglichen Primärinfektion vom 4./5. Mai. Bis Mitte Mai blieb das Infektionsrisiko aufgrund der trockenen und eher kühlen Witterung niedrig. Mit Beginn des Junis änderte sich die Situation abrupt: Wiederholte Niederschläge führten zu ausgeprägten Infektionsbedingungen. Trotz zeitweise hoher Risiken entwickelte sich der Befall in Wädenswil jedoch nur moderat. Mehrere Hitzeperioden während der Blüte unterdrückten die Sporulation deutlich. Erst im Juli, unter kühleren und niederschlagsreicheren Bedingungen, trat Falscher Mehltau vereinzelt an jungen Geiztrieben auf.
Weitere pilzliche Krankheiten
Schwarzfäule zeigte sich lokal an anfälligen Sorten wie Müller-Thurgau sowie an einzelnen Piwi-Sorten. Durch konsequente Hygiene, insbesondere das Entfernen befallener Blätter, konnten Traubeninfektionen weitgehend verhindert werden. Im August und September führten Hitzeperioden und anschliessende Starkniederschläge zu geplatzten Beeren, was Botrytis und Essigfäule begünstigte. Ab Anfang September traten an dünnschaligen Sorten vermehrt Beerenrisse auf. Der herbstlich-kühle und sehr niederschlagsreiche September erhöhte das Fäulnisrisiko deutlich. Die Haupternte Mitte September musste vielerorts rasch abgeschlossen werden, da Regen und hohe Luftfeuchtigkeit das Zusammenfaulen der Trauben förderten und teils erhebliche Ertragseinbussen verursachten (Einstiegsbild).
Klassische Rebenschädlinge und Kirschessigfliege
Komplexer präsentierte sich die Situation bei der Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Bis zur Lese lagen die Fangzahlen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr, ab November wurden jedoch deutlich mehr Individuen gefangen (Abb. 2). Der feuchte Herbst begünstigte die Eiablage der Weibchen sowie den Populationsaufbau. In 22 überwachten Deutschschweizer Parzellen (BL, BS, SG, ZH) konnten Eiablagen nachgewiesen werden, in sensiblen Rebsorten und Lagen teilweise deutlich über der Schadschwelle von 4 % (Abb.2). Wie bereits von Mackie-Haas et al. (Obst+Wein 12/ 2024) beschrieben, führt jedoch nicht jede Eiablage zwangsläufig zu Essigfäule, da diese häufig durch andere Faktoren ausgelöst wird. Entsprechend kam es auch 2025 nur lokal zu eindeutig durch die Kirschessigfliege verursachten Schäden im Rebberg. Die Bekämpfung basiert weiterhin auf einer konsequenten Umsetzung vorbeugender Massnahmen, insbesondere einer guten Auslaubung der Traubenzone. Bei Behandlungsbedarf bleibt Kaolin gegenüber Audienz vorzuziehen, da Audienz mit der Auflage 6 versehen ist und nicht auf beschädigten Trauben eingesetzt werden darf.

Abb. 2: Die KEF-Schadschwelle wurde mancherorts überschritten. (© O+W)
Neue und zunehmende Risiken: Vektoren und invasive Arten
Parallel dazu rückte erneut der Vektor der Goldgelben Vergilbung der Reben, Scaphoideus titanus, in den Fokus. Die Gebietsüberwachung sowie die Aktivitäten des Forschungsprojekts FLAVID 3 zeigen, dass die Amerikanische Rebzikade in den südlichen und westlichen Weinbaugebieten der Schweiz (Tessin inkl. Misox, Wallis, Waadt und Genf) weiterhin als etabliert gilt. 2025 wurde S. titanus erstmals auch in der Region Basel-Aargau sowie im Kanton Neuenburg nachgewiesen; im Kanton Waadt erfolgten Funde weiter nördlich als in früheren Jahren. Zusätzlich bestätigen Berichte aus Süddeutschland, wo im Sommer 2024 erstmals über 200 adulte Tiere in Gelbtafeln gefangen wurden, eine lokale Etablierung nördlich der Schweiz. Diese Entwicklungen erhöhen den Handlungsdruck für eine intensivierte Überwachung in den angrenzenden Weinbaugebieten der Nordwestschweiz deutlich.
Besonders dynamisch verlief die Ausbreitung des Japankäfers (Popillia japonica). 2025 wurden in weiteren Kantonen abgegrenzte Gebiete ausgeschieden, meist sind die entdeckten Populationen noch sehr klein. Während im Tessin erstmals wirtschaftlich relevante Schäden auftraten und sich das Befallsgebiet ausdehnte, zeigte sich im Wallis sowie in den Regionen Basel und Zürich ein heterogenes Bild mit teilweise rückläufigen Fangzahlen, aber sich vergrössernden Befallszonen. Der Japankäfer bleibt aufgrund der begrenzten Bekämpfungsmöglichkeiten weiterhin einer der bedeutendsten potenziellen Schädlinge im Weinbau.
Fazit
Das Jahr 2025 verdeutlicht eindrücklich den Einfluss von Trockenheit, Hitzeperioden und punktuellen Starkniederschlägen auf die Krankheits- und Schädlingsdynamik. Während der Falsche Mehltau vielerorts überraschend moderat blieb, stellten Spätfäulnis und Witterungsextreme in der Reifephase grosse Herausforderungen dar. Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen bei Scaphoideus titanus und Popillia japonica sowie die regional stark unterschiedliche Bedeutung der Kirschessigfliege, dass Pflanzenschutzstrategien weiterhin flexibel, standortangepasst und aufmerksam umgesetzt werden müssen.
Quelle
Mackie-Haas, K., Stäheli, N., Dubuis, P.-H., Linder, C., & Kehrli, P., 2024: Essigfäule im Rebbau: Was steckt dahinter? Obst+Wein, 12/2024, 8–10.