Für Sharka charakteristische chlorotische Ringe. (© Agroscope)

Arbeiten im Obstbau Juni 2024

Bei Jungbäumen bieten sich jetzt frühe Formierungsmassnahmen an, gerade im Zusammenhang mit einer allfälligen Behangsreduktion.

Artikel von:
Moritz Köhle
Agroscope
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 08 / 2024 , S. 26

Für eine optimale Baumformierung empfiehlt es sich bei Neupflanzungen, Früchte rigoros zu entfernen. So geht ein Grossteil der Kraft ins vegetative Wachstum, die Bäume bilden so die strukturelle Grundlage für die Erträge der nächsten Jahre. Insgesamt kommen die Bäume so schneller in den Vollertrag. Starker Fruchtbehang an Jungbäumen führt hingen zu einer starken Konkurrenz zwischen generativem (Früchte) und vegetativem Wachstum (Holz) und hemmt die Formierung in dieser entscheidenden Phase empfindlich, was das Erreichen des Vollertrags erheblich verzögern kann. Besonders beim Kernobst empfiehlt sich auch ein frühzeitiges Entfernen der Konkurrenztriebe. Bei Beständen im Ertragsalter mit starkem Kopfwachstum, aber schon bald erreichter Fristhöhe sollte ab Ende Juni ein Sommerschnitt oder -riss in Betracht gezogen werden.

Zwetschgen ausdünnen für bessere Fruchtqualität

Verschiedene moderne Zwetschgensorten neigen dazu, zahlreiche Früchte anzusetzen. In Jahren mit ungünstigen Befruchtungsbedingungen während der Blüte bringen diese Sorten eine höhere Ertragssicherheit. Sind aber die Witterungsbedingungen während und nach der Blüte gut, setzen sie so viele Früchte an, dass ohne Ausdünnmassnahmen die optimale Fruchtqualität nicht mehr erreicht werden kann. Insbesondere Fruchtgrösse und Zuckergehalt hängen direkt von der Fruchtbehangsdichte ab. Bei eher kleinfruchtigen Sorten liegt das Optimum von Ertrag und Qualität bei 30 bis 40 Früchten (oder etwa 1.3 kg Fruchtgewicht) pro Meter Fruchtholz. Bei grossfruchtigen Sorten liegt die Fruchtanzahl dementsprechend niedriger, etwa bei 20 bis 30 Früchten.

Neben der Behangsdichte spielt auch die Behangsverteilung eine wichtige Rolle: Das Ausdünnen von punktuell sehr dichtem Fruchtbehang («Truppeln») fördert durch ein rascheres Abtrocknen eine gesunde Fruchtausreifung und erleichtert die folgenden Erntearbeiten. Allfällige Doppelfrüchte und frühe Hagelschäden, die für die Fruchtqualität eine ernsthafte Gefährdung darstellen, sollten bei der manuellen Ausdünnung demnach bereits möglichst aussortiert werden.

Sharkakontrolle in jungen Steinobstbeständen

Jetzt ist der beste Zeitpunkt, die Sharkakontrolle in Zwetschgen-, Aprikosen- und Pfirsichanlagen durchzuführen. Speziell bei Beständen im 2. und 3. Laub und besonders bei Baumimporten aus Risikoländern ist eine genaue Kontrolle angezeigt. Blattsymptome sind am besten bei bewölktem Himmel und ohne starken Schattenwurf erkennbar, schwach ausgeprägte Symptome im Gegenlicht. Charakteristisch für Sharkabefall sind chlorotische, gelblich bis bräunliche Ringe, teilweise aber auch weniger eindeutige Flecken oder Bänderungen. Gegen aussen sind die Ringsymptome häufig unscharf abgegrenzt. Bei Verdachtsfällen erhalten Steinobstproduzierende Auskunft und Empfehlungen bei den kantonalen Fachstellen für Obstbau und dem kantonalen Pflanzenschutzdienst.

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