Mit der unsicheren Witterung ist auch die Feuerbrandgefahr schwer einzuschätzen. Kritisch wird es bei Tagesdurchschnittstemperaturen über 15.6 °C in Kombination mit Feuchtigkeit, etwa durch Niederschläge, Tau oder Pflanzenschutzapplikationen mit hohen Wassermengen. In Jahren mit günstigen Infektionsbedingungen ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Eine sorgfältige Kontrolle der Anlagen nach der Blüte wird dringend empfohlen. Typische Symptome sind: Absterbende Blütenbüschel, Braunverfärbung der Blätter, ausgehend vom Blattstiel und Dreieckige Verbräunung an der Blattbasis. Befallene Blätter bleiben am Trieb hängen. Bei Verdacht sollte umgehend die kantonale Fachstelle kontaktiert werden. Befallene Triebe sind grosszügig zu entfernen, mindestens 40 cm ins gesunde Holz. In bekannten Befallsgebieten und nach Hagelereignissen kann eine Nachblütebehandlung sinnvoll sein, zum Beispiel mit LMA oder Regalis plus. Weitere Informationen unter www.feuerbrand.ch.
Blütenausdünnung: Situation beobachten
Im Steinobst waren die Befruchtungsbedingungen in vielen Lagen bislang nicht optimal, insbesondere bei Zwetschgen sowie in frühen Lagen bei Kirschen. Es ist daher möglich, dass bereits eine natürliche Ausdünnung stattgefunden hat. Jetzt gilt es, den Fruchtansatz während der weiteren Entwicklung genau zu beobachten und zu beurteilen, ob zusätzliche Massnahmen notwendig sind. Je nach Situation kann eine mechanische oder manuelle Ausdünnung erforderlich werden. Bei eingeschränkter Befruchtung ist zudem auf eine ausgewogene Nährstoffversorgung zu achten. Bor spielt eine zentrale Rolle bei der Ausbildung der Blütenorgane und der Befruchtung. Bis zum Abschluss der Zellteilung können Blattdüngergaben mit Bor sinnvoll sein.
Kernobst: Früh eingreifen gegen Alternanz
Ausdünnungsmassnahmen während der Blüte haben eine deutlich stärkere alternanzbrechende Wirkung als spätere Eingriffe. Besonders bei alternanzanfälligen oder schwer auszudünnenden Sorten kann eine erste Behandlung bereits zur Blüte sinnvoll sein. Zur Verfügung stehen folgende Wirkstoffe:
- NAAm wird bei abgehender Blüte, wenn etwa drei Viertel der Blütenblätter abgefallen sind, bis spätestens fünf Tage nach der Blüte eingesetzt. Aufwandmenge: 0.2 bis 0.4 kg/ha bzw. 1.4 bis 4.6 L/ha.
- Ethephon kann im Ballonstadium, bei abgehender Blüte sowie bis etwa 14 Tage nach der Blüte bei einer Fruchtgrösse von 8 bis 12 mm eingesetzt werden. Aufwandmenge: ca. 0.3 L/ha.
- Kaliumhydrogencarbonat wirkt über eine Verätzung der Blüten fruchtausdünnend. In der Regel werden zwei Anwendungen ab Blühbeginn im Stadium BBCH 60 bis 61 im Abstand von drei bis fünf Tagen mit 10 bis 20 kg/ha durchgeführt.
Informationen zu Ausdünnstrategien finden sich in den aktuellen Pflanzenschutzempfehlungen von Agroscope.
Schädlinge im Auge behalten
Mit der Blüte nimmt auch die Aktivität vieler Schädlinge zu. Regelmässige visuelle Kontrollen helfen, Schadschwellen frühzeitig zu erkennen und den Nützlingsbesatz einzuschätzen. Besonders zu beachten sind derzeit Blattläuse sowie Raupenschädlinge wie Frostspanner, Schalenwickler und Gespinstmotten. Weissfallen sollten in Apfel und Zwetschgenanlagen rechtzeitig aufgehängt und regelmässig kontrolliert werden, um nach der Blüte gezielt gegen Sägewespen eingreifen zu können. Die Verwirrungstechnik gegen Wickler ist spätestens vor Flugbeginn einzusetzen. Aktuelle Prognosen sind hier verfügbar.