Befruchtersorten bei Süsskirschen: «Blühgruppen» als Alternative zu «Zeitkategorien»

Die meisten modernen Kirschsorten sind selbststeril und brauchen einen geeigneten Befruchtungspartner, um Früchte zu produzieren. Blühgruppen können helfen, den Befruchtungserfolg zu steigern.


Joshua Witsoe | Simon Schweizer
Agroscope

Befruchtungspartner müssen mindestens ein unterschiedliches ­S-Allel haben (Schuster 2012) und möglichst gleichzeitig blühen. Selbstfruchtbare Sorten brauchen nicht zwingend eine Bestäubersorte, können aber von einem Befruchtungspartner profitieren ­(Kellerhals et al. 2014).

Kirschensorten wurden bis anhin mittels Feldbeobachtungen in sechs relative Zeitkategorien bezüglich Blühzeitpunkt eingeteilt: sehr früh, früh, mittelfrüh, mittel, mittelspät und spät. Die ­detaillierte Betrachtung zeigt jedoch, dass die phänologische Entwicklung im Frühjahr bei vielen Sorten nicht so einheitlich verläuft, wie man es aufgrund dieser Kategorisierung erwarten könnte (Abb.). Diese ­Unregelmässigkeiten im Blühzeitpunkt können in Jahren mit einer ausgedehnten Blühphase den Befruchtungserfolg schmälern, ­obwohl die Sortenkombination anhand der S-Allele und der angegebenen Blühzeitkategorie korrekt gewählt wurde.

 


 

Abb.: Tatsächliche Blühzeitpunkte ausgewählter Sorten in Zeitkategorien. In Klammer die Angabe der Blühzeitkategorie aus der Literatur (Mühlenz und Schwizer 2016).

 

Blühverhalten statt Zeitkategorien

Könnte es sein, dass bestimmte Kirschensorten bei ähnlichen ­Bedingungen zur Blüte kommen und ...