Editorial

Filter (im Kopf)

Artikel von:
Markus Matzner
O+W
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 12 / 2023 , S. 3

Liebe Leserin, Lieber Leser

Allein in der letzten Woche prasselten so viele Informationen rund um die Spezialkulturen auf uns herunter, dass wir bald Mühe bekunden, alles im Blick zu behalten. Da wurden einerseits die nominierten Weine für den Grand Prix du Vin Suisse bekannt gegeben (welche einmal mehr die Walliser Dominanz bestätigen), dann kamen die Ernteprognosen für den Apfelanbau in Europa heraus (die einen leichten Rückgang erwarten), sodann rätseln Fachleute an verschiedenen Tagungen darüber, warum der Falsche Mehltau nördlich wie südlich der Alpen so hartnäckig in Erscheinung getreten ist und, gleichsam als Zugabe, geht der unberechenbare Wetterslalom weiter. Nach rekordheissen Tagen folgen Kaltfronten mit sintflutartigen Regenfällen und massivem Hagel, die alles Bekannte in den Schatten stellen. Und als wäre das noch nicht genug, munkeln einige, dass eine zu grosse Traubenernte drohe, die das Preisgefüge ins Wanken bringen könnte.

Angesichts dieser teilweise schwierig zu deutenden und sich widersprechenden Informationen greift unser Hirn gerne zu einer raffinierten List: Es benutzt den vielzitierten Filter im Kopf, der dafür sorgt, dass wir gewisse Daten schlicht verdrängen bzw. weglassen. Genau dieses Prinzip des Abtrennens hat die Menschheit schon früh durchschaut und vielgestaltig angewandt. So wurden bereits in der Antike primitive Filtertechniken entwickelt, die es ermöglichten, Festes von Flüssigem zu trennen. Heute stellt die Filtration ein Hightech-Gebiet dar, das für die Saft-, Most- und Weinindustrie unabdingbar ist. In unserem Dossier gehen wir in die Tiefe und machen eine Zeitreise, um wichtige Stationen der Filtrationsgeschichte Revue passieren zu lassen. Danach vergleichen wir die Kosten zwischen Platten- und Tangentialflussfiltration (Cross-Flow-Filtration), um die Frage zu klären, wie sich die ökonomischen Faktoren verhalten.

Somit wünschen wir Ihnen den richtigen Filter im Kopf wie im Keller.

Ihr
Markus Matzner
Chefredaktor Obst+Wein

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