Folgen der Corona-Pandemie werden deutlich

Dass die Corona-Pandemie für die Weinbranche wirtschaftliche Auswirkungen haben wird, war schnell klar: Der Umsatzrückgang aufgrund geschlossener Restaurants, ein Absatzstau bei Grossverteilern, übervolle Keller sind Tatsachen. Nun kommt die nächste Hiobsbotschaft: Grosskellereien könnten die Menge der Traubenannahme markant reduzieren.


SZOW

Gerüchteweise waren schon Mitte Mai düstere Meldungen über die Rutishauser Kellerei in Scherzingen / TG eingegangen. Sie habe Traubenwinzern die Abnahmeverträge einseitig gekündigt und zwar per sofort. Die Rede war von zehn Hektaren, die betroffen wären. Mittlerweile ist klar, dass es sich um mehr handelt. Doch nicht nur bei Rutishauser sind die Keller voll, auch bei vielen anderen Grosskellereien sieht die Absatzlage ähnlich angespannt aus. Naheliegend also, offen über Mengenreduktionen oder Preissenkungen beim Traubenaufkauf nachzudenken.

 

Krisengipfel

Aufgrund der düsteren Signale aus dem Thurgau rief Martin Wiederkehr, Präsident  des Deutschschweizer Branchenverbands (BDW), zum Krisengipfel. Anwesend waren am 29. Mai die Präsidenten der kantonalen Branchenverbände sowie Vertreter von Grosskellereien aus verschiedenen Kantonen und Vertreter der Traubenwinzer.

Auch wenn keine Derails kommuniziert wurden, spricht Wiederkehr auf Anfrage von einem «konstruktiven und positiven Weingipfel». Man habe drei Massnahmen ins Auge gefasst: Erstens unterstützt der BDW Aktivitäten in Sachen Promotion und Innovation. So soll die Palette an Traubenprodukten ausgeweitet werden (Verjus, Traubensaft, Marc, Schaumwein etc.), zweitens sollen Überschüsse zu Industriewein verarbeitet werden, drittens kann AOC-Wein zu Tafelwein deklassiert werden.

Ob diese Massnahmen schon genügen, um die Problematik hinlänglich zu mildern, ist freilich offen. Wiederkehr aber hofft zumindest, dass es zu keinen Härtefällen kommt. Ausschliessen kann er aber auch nicht, dass der Druck auf den Kilopreis zunehmen wird.

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