Der Most wird mit Hefe beimpft. (© Hans-Peter Siffert, Weinweltfoto.ch)

«GODFATHER OF YEAST»

Wenn es in Kellern blubbert, ist oft ein Stück Wädenswil beteiligt. Die Hefeforschung ist eng mit einem Namen verknüpft: Nein, nicht mit Hermann Müller-Thurgau, sondern mit Jürg Gafner. 
Seine Arbeiten bilden bis heute die Grundlage für viele önologische Verfahren.

Artikel von:
Jacqueline Achermann
Redaktorin O+W
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 16+17 / 2025 , S. 18
Gut möglich, dass Sie den Namen Hermann Müller-Thurgau langsam nicht mehr hören können. Zu Recht wurde ihm im Jubiläumsjahr alle Ehre erwiesen, und auch unser Heft dürfte ihn inzwischen häufiger erwähnt haben als Rebsorten im Anbau. In diesem Artikel dreht es sich aber um eine andere bedeutende Persönlichkeit, die in all der Euphorie um den gelobten Hermann etwas in den Hintergrund geraten ist. Zu Unrecht, wie wir finden, hat er doch – aufbauend auf Müllers wissenschaftlichem Erbe – die Verbindung von Mikrobiologie und Weinqualität in die Gegenwart getragen.

Wie die Reinzuchthefe in den Wein kam

Müller-Thurgau war einer der Ersten, der die Bedeutung der Hefekulturen für die Weinbereitung erkannte, nicht aber entdeckte. Die Geschichte der Hefeforschung reicht nämlich viel weiter zurück. Schon Jäger und Sammler wussten instinktiv um die Wirkung der Hefen und waren in der Lage, durch spontane Wildgärung Getränke mit höherem Alkohol herzustellen. Vor etwa 10 000 Jahren begannen sesshafte Völker, ...