Liebe Leserin, lieber Leser
«Traue nie einer Statistik, die du nicht selber gefälscht hast», so lautet das Bonmot all jener, die sich mit Zahlen und deren Bedeutung herumschlagen. Ich muss ehrlich zugeben, ich sass damals am Fenster, als vorne Dinge wie Signifikanzniveau, Glockenkurve und Streuungsmasse doziert wurden. Umso verblüffter bin ich, wenn dieselben statistischen Ergebnisse für komplett unterschiedliche Argumente benutzt werden können.
So war ich anfänglich ziemlich verwirrt, als ich die neusten Zahlen des Weinkonsums im Detailhandel studierte. Einerseits wird klar aufgezeigt, dass der Negativtrend anhält: Die Menge an verkauftem Schweizer Wein nahm um 2.6 % ab. Andererseits aber verzeichnen Schweizer Weine im Vergleich zu ausländischen Weinen eine Steigerung um 0.2 %. Wahrscheinlich durchschauen Sie dieses Phänomen schneller als ich, aber bei mir brauchte es eine Zusatzschleife in meinen Gehirnwindungen, bis ich verstand, dass diese paradoxe Situation auf dem Buckel der ausländischen Weine ablief. Diese, insbesondere die roten, verzeichnen einen derart starken Rückgang, dass der Schweizer Verlust (und den gab es rein litermässig) im Gesamtverhältnis als Anstieg bewertet werden kann. Ja eben: «Traue keiner Statistik …»
Was heisst das nun unter dem Strich: Können wir zufrieden sein? Natürlich nicht, dennoch sollten wir differenzieren und die Zwischentöne mithören. Beispielsweise jene von Autor Thomas Schnetzer, der aufzeigt, dass die pauschal vorverurteilten Jungen beileibe nicht allein Schuld am Rückgang sind. In Tat und Wahrheit hat sich das Konsumverhalten bei allen Altersgruppen verändert und passt sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten an.
Als weiteren Diskussionspunkt bieten wir einen Einblick in eine Nische an, die man nicht unterschätzen sollte: entalkoholisierte Weine. Trotz Unkenrufen aus der Branche und unserer Situation als Hochpreisinsel: Innovationen waren und sind noch immer der Schrittmacher unserer Wirtschaft.
Ihr
Markus Matzner
Chefredaktor Obst+Wein