Editorial

Realitäten

Artikel von:
Markus Matzner
Chefredaktor Obst+Wein
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 12 / 2026 , S. 3

Liebe Leserin, lieber Leser

Dass dieser Sommer neue Realitäten geschaffen hat, dürfte bei den meisten angekommen sein. Dass man gleichwohl nicht stur nach Schema F arbeiten sollte, ist ebenso eine Realität. Das zeigt sich bei den Erntestrategien. Während das Kernobst noch ein paar weitere Tage bis Wochen hängen darf, (beachten Sie hierzu den Artikel «Reifewerte bestimmen» und das Dossier über die Güttinger-Tagung), haben sich bei Weinbetrieben verschiedene Vorgehensweisen durchgesetzt. Basierend auf Erfahrungen früherer Hitzesommer haben die einen die säureaffinen Sorten bereits eingefahren, andere streben nach den höchstmöglichen Zuckermengen und einer idealen Aromatikausbeute. Ob Hängenlassen bei weissen Sorten zum gewünschten Resultat führt, wird sich kommenden Frühling zeigen. Schon jetzt kann man vermuten, dass die Nachfrage nach Säuremitteln überdurchschnittlich hoch sein dürfte.
ABSTAND
Interessant ist ein Vergleich mit einer Region, in der das Hitzeproblem schon lange «normal» ist: die Provence (F). Ein Augenschein zeigte, dass praktisch alle weissen Sorten spätestens in der ersten Septemberwoche geerntet wurden. Und fast fliessend startete im Anschluss die Rotweinernte. Die Jagd nach Oechsle und die damit einhergehenden hohen Alkoholgehalte werden so weit wie möglich vermieden. Dies, weil der Markt frische und zugängliche Weine verlangt und auch da die Weinbetriebe unter massivem Verkaufsdruck stehen. Apropos Druck: Wie sich die Situation in der Schweiz präsentiert und was die Konsequenzen der heiss diskutierten «Motion Parmelin» für die Deutschschweiz wären, analysiert BDW-Präsident Martin Wiederkehr hier. Damit bildet er gleichsam eine Brücke zu den Ansichten der Swiss Wine Promotion (vgl. Interview mit Pierre-Alain Bapst).
ABSTAND
An dieser Stelle besonders begrüssen möchte ich die Mitglieder des Vereins Fructus, die diese Nummer ebenfalls erhalten. Auch für Liebhaber alter Obstsorten hat dieser Sommer eindrücklich aufgezeigt, dass wirtschaftlich ausrangierte Sorten noch längst nicht abgeschrieben werden sollten.

Ihr

Markus Matzner
Chefredaktor Obst+Wein

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