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Stellungnahme Branchenverband Deutschschweizer Wein (BDW)

Mit grosser Verwunderung und Enttäuschung hat der Vorstand des Branchenverbandes Deutschschweizer Wein (BDW) von der Absicht Kenntnis genommen, die Forschungsgruppe Weinbau Deutschschweiz aufzulösen und die Zusammenarbeit mit dem Weinbauzentrum Wädenswil wesentlich zu reduzieren. Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, hätte dies weitreichende Folgen für den Weinbau in der Deutschschweiz sowie für die Innovationskraft der gesamten Schweizer Weinbranche.

Artikel von:
Pascal Furer
Geschäftsführer
Martin Wiederkehr
Präsident
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 09+10 / 2026 , S. 7

Der Branchenverband Deutschschweizer Wein lehnt den geplanten Abbau einstimmig und entschieden ab und fordert den Erhalt einer leistungsfähigen und praxisnahen Weinbauforschung in der Deutschschweiz.

Der Weinbau steht heute vor Herausforderungen von historischem Ausmass. Der Klimawandel, neue pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln sowie die zunehmende Bedrohung durch invasive Schaderreger wie den Japankäfer oder die Goldgelbe Vergilbung verlangen nach einer starken, regional verankerten Forschung. Nur eine standortnahe Forschung kann auf diese Entwicklungen rasch reagieren und praxistaugliche Lösungen für die Betriebe bereitstellen.

Die Bedingungen des Weinbaus in der Deutschschweiz unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von jenen der Westschweiz. Unterschiede bei Klima, Topografie, Betriebsstrukturen, Sortenspiegel und Produktionsbedingungen machen deutlich, dass Forschungsergebnisse nicht uneingeschränkt auf alle Weinbauregionen übertragbar sind. Eine ausschliessliche Konzentration der Forschung auf einen Landesteil würde den unterschiedlichen regionalen Bedürfnissen nicht gerecht werden und dem gesetzlichen Auftrag einer gesamtschweizerischen Agrarforschung widersprechen.

Bereits in den vergangenen Jahren wurden Sparmassnahmen im Bereich Weinbau überproportional zulasten der Deutschschweiz umgesetzt. Die Branche hat diese Entwicklung mitgetragen und gemeinsam mit den Kantonen und Privatpersonen erhebliche Mittel in den Aufbau des Weinbauzentrums Wädenswil investiert, um die notwendige Forschungs- und Beratungskompetenz in der Deutschschweiz aufrechterhalten zu können. Nun soll selbst diese minimale Forschungsbasis weiter geschwächt werden. Dieses Vorgehen erschüttert das Vertrauen der Branche in die langfristige Planungssicherheit der öffentlichen Agrarforschung.

Ein weiterer Abbau der Weinbauforschung in der Deutschschweiz hätte gravierende Folgen:

  • längere Reaktionszeiten bei neuen Krankheiten und Schaderregern,
  • Verzögerungen bei der Prüfung und Einführung neuer Rebsorten,
  • eine deutliche Schwächung des Wissenstransfers zwischen Forschung und Praxis,
  • steigende Produktions- und Pflanzenschutzkosten für die Betriebe,
  • ein Verlust von Fachwissen und Innovationskompetenz sowie
  • eine nachhaltige Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit des Deutschschweizer 
Weinbaus.

Diese Auswirkungen würden nicht nur die Weinproduzenten treffen, sondern auch Zulieferbetriebe, Kellereien, den Weinhandel, den Weintourismus sowie zahlreiche Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen der Deutschschweiz.

Rund ein Fünftel der Schweizer Rebfläche beziehungsweise Weinproduktion entfällt auf die Deutschschweiz. Vor diesem Hintergrund ist es sachlich und politisch gerechtfertigt, dass auch die öffentliche Weinbauforschung in einem angemessenen Umfang – mindestens entsprechend diesem Anteil – dauerhaft in der Deutschschweiz verankert bleibt.

Der BDW erwartet deshalb vom Agroscope-Rat:

  1. den geplanten Abbau der Weinbauforschung in der Deutschschweiz unverzüglich auszusetzen,
  2. den Forschungsstandort Wädenswil langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln,
  3. die Zusammenarbeit mit dem Weinbauzentrum Wädenswil zu stärken statt zu reduzieren,
  4. sicherzustellen, dass die Weinbauforschung entsprechend der Bedeutung der 
Deutschschweiz dauerhaft angemessen in der Deutschschweiz verankert bleibt,
  5. die betroffenen Kantone sowie die Branchenorganisationen vor einem endgültigen Entscheid umfassend anzuhören und in den Entscheidungsprozess einzubeziehen.

Der BDW wird dieses Anliegen gemeinsam mit den kantonalen Weinbauorganisationen, den betroffenen Kantonen, wissenschaftlichen Institutionen sowie den politischen Vertreterinnen und Vertretern der Deutschschweiz weiterverfolgen. Wir sind überzeugt, dass die Zukunftsfähigkeit des Schweizer Weinbaus nur durch eine ausgewogene, regional abgestützte Forschungslandschaft sichergestellt werden kann.

Wir ersuchen Sie deshalb um eine schriftliche Stellungnahme zu den vorstehenden Forderungen bis spätestens 31. Juli 2026. Sollte der Agroscope-Rat für den Entscheid nicht abschliessend zuständig sein, erwarten wir, dass er sich mit Nachdruck bei den zuständigen Entscheidungsträgern für den Erhalt der Weinbauforschung in der Deutschschweiz einsetzt.

Wir sind überzeugt, dass die Zukunftsfähigkeit des Schweizer Weinbaus nur durch eine ausgewogene, regional abgestützte Forschungslandschaft sichergestellt werden kann.

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