«Viele Schweizer 
Weinproduzenten müssen über die Bücher»

Neben den Grossverteilern entscheiden die Weinhändler, welcher Wein zu welchem Preis vermarktet wird. Corona-bedingt sieht die Situation uneinheitlich bis schwierig aus. Wir haben bei Bruno Bonfanti, Präsident der Vereinigung Schweizer Weinhandel (VSW), nachgefragt, was zu tun sei.


Markus Matzner
SZOW

SZOW: Herr Bonfanti, das Jahr 2020 hat viele Unternehmen in eine tiefe Krise gestürzt. Aktuellste OSMV-Daten zeigen jedoch, dass für den Schweizer Weinmarkt Hoffnung besteht, weil häufiger Schweizer Weine konsumiert wurden als noch 2019. Man spricht in dem Zusammenhang auch vom «Corona-Parodoxon». Wie passt das zusammen – Umsatzsteigerung und Krise?

Bruno Bonfanti: Die Krise im Frühjahr war zuerst eine Gesundheitskrise verbunden mit gesundheitlichen und ökonomischen Ängsten. Als dann ein grosser Teil der Bevölkerung im Teillockdown zu Hause war und die eigenen vier Wände den relativ sicheren Ort vor dem Virus bedeuteten, konnte der Konsum unter diesen neuen Rahmenbedingungen weiterleben: Die Lebensmittelgeschäfte waren offen, deren Besuch einer der wenigen Gründe, das Haus zu verlassen und die Onlineplattformen liefen heiss. Der Wein als Lebensmittel und Getränk profitierte zusätzlich durch den Genussaspekt und das Motto «man kann sich ja mal was leisten» von diesem Momentum. Dazu gesellte sich das nationale Wir-Gefühl mit den lokalen ...