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«Wir müssen selbstbewusster mit dem Pflanzenschutz umgehen»

Seit Beginn dieses Jahres amtet Pascal Furer als Geschäftsführer des Branchenverbands Deutschschweizer Wein (BDW). Dabei hat er eigentlich schon einen Hundertprozentjob und ist auch politisch aktiv. Wie er alles unter einen Hut bringt, verrät er in folgendem Porträt.

Artikel von:
Markus Matzner
Obst+Wein
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 08 / 2026 , S. 20

«Von mir soll es kein offizielles Bild geben, ohne ein Glas Wein in der Hand», sagt Pascal Furer mit einem Lachen und hält das Glas Riesling-Silvaner in die Höhe. Trotz des Schalks spürt man, er meint es durchaus ernst. Denn als neuer Geschäftsführer des Branchenverbands Deutschschweizer Wein (BDW) ist ihm seine Aufgabe mehr als nur ein Amt. Als selbstständiger Geschäftsmann und als Grossrat in seinem Heimatkanton Aargau ist er es gewohnt, alles speditiv bis zum Ende durchzuziehen. Und beim BDW wartet nicht gerade ein Augiasstall zum Ausmisten, aber doch eine ganze Menge an Projekten, die es weiterzuführen oder anzureissen gilt. Wie er das alles bewerkstelligen möchte, erfährt man am besten, wenn man ihn zu Hause im Aargauischen besucht.

Mosti

Pascal Furers Mostverarbeitungsbetrieb «Mosti» liegt im Herzen des Dorfes Staufen (AG), das wiederum übergangslos an Lenzburg grenzt. Vor der Auslage des Geschäfts flanieren Wanderer vorbei, Mütter fahren ihren Nachwuchs spazieren und Handwerker brausen zum nächsten Termin. Eine fast dörfliche Idylle, die gleichsam aufgebrochen wird durch den beeindruckenden Selbstbedienungsstand, den Furer vor einiger Zeit eingerichtet hat. Der Automat mit seinen vielen farbigen Fenstern ist eine Art Blickfang, ein zusätzlicher Getränkeautomat ist gefüllt mit Flaschen. Grosse Buchstaben, die oberhalb des Standes angebracht sind, verkünden den Inhalt: Saft, Wein und Essig. Dahinter verbirgt sich auch das breite Engagement, das der umtriebige Hausherr und seine Frau Barbara aufgebaut haben.

 


Aussenansicht der Mosti Furer. (© O+W)

 

Die Herstellung von Obstsäften, die letztlich dem Konglomerat seinen Namen gab, ist umsatzmässig nicht der stärkste Bereich. Dennoch läuft im Herbst die Bandpresse auf Hochtouren. Eine grosse Rolle spielt die Lohnarbeit, ab 100 Kilogramm werden alle Früchte gepresst und auf Wunsch auch pasteurisiert. Das zweite Standbein, die Obst- und Weinessige, ist eine spannende Nische und bildet letztlich ein Alleinstellungsmerkmal des Betriebs. Der Wein aus drei Hektaren Reben aus Auenstein, Schinznach, Lenzburg und Staufen, der das dritte und umsatzstärkste Element bildet, wird aus Platzgründen bei Michael Deppeler vom Weingut Alter Berg in Tegerfelden (AG) gekeltert. Dennoch ist der Verarbeitungs- und Lagerkeller, in dem die Furers ihre Hauptarbeit verrichten, eindrucksvoll. 2017 wurde er rund sechs Meter unter dem Trottoir erstellt, was ausgiebige Grabungsarbeiten zur Folge hatte. Einem Hochregallager nicht unähnlich wird jeder Quadratzentimeter genutzt, um Säfte und Essig herzustellen, sie hernach weiterzuverarbeiten und abzufüllen. Hierzu türmen sich die Stahltanks bis zur Decke auf.

Eigene Philosophie

Furer führt seinen Winzerbetrieb konventionell, dennoch wirkt er in dieser Frage nicht dogmatisch. «Auch biologisch oder biodynamisch arbeitende Betriebe leisten hervorragende Arbeit und sind wichtig – man kann gegenseitig voneinander lernen», sagt er und verweist auf die Familie seiner Frau. Zwei ihrer Cousins, Claudio und Adrian Hartmann, führen bekannte Demeterbetriebe in Schinznach (AG) bzw. Oberflachs (AG). Und für Pascal Furer ist klar, dass auch er seiner eigenen Philosophie folgt: «Bei uns ist bereits jede dritte Pflanze robust und wir verzichten gänzlich auf Kupfer und Herbizide.» Das bedeutet im Umkehrschluss, dass vollsystemische Mittel eingesetzt werden. «Die Piwis spritze ich zweimal.» Auf die momentane Diskussion in Sachen Pflanzenschutzmittel (PSM) angesprochen, wird er schnell zum Politiker: «Wir müssen selbstbewusster mit dem PSM-Thema umgehen. Die Diskussionen müssen mit Fachwissen und Respekt geführt werden. Wir dürfen stolz mit der Spritze durchs Dorf fahren – ohne Pflanzenschutz kein Essen und kein Trinken!», meint er.

 


Der BDW-Geschäftsführer in der Lagerhalle seiner Mosti in Staufen. (© O+W)

 

Vom Wein zur Politik

Seit 2001 sitzt Pascal Furer für die SVP im Kantonsrat, der im Aargau Grosser Rat genannt wird. Seit 2009 ist er Geschäftsführer des Branchenverbandes Aargauer Wein, und nun, seit Beginn des Jahres, leitet er die Geschicke des BDW. Die Frage liegt auf der Hand: Wie schafft er diese zeitintensiven Beschäftigungen nebst seinem Vollzeitjob im eigenen Betrieb? Der Angesprochene lacht: «Man muss schon darauf achten, dass die Work-Wine-Balance stimmt. Meine Woche hat aber sieben Tage.» Ausserdem ist er kein Typ, der lange fackelt, sondern packt an. Er vermeidet Leerzeiten und ist schon aufgrund seiner Ausbildung zum Buchhalter speditiv, genau und effizient. Diese Eigenschaften, gepaart mit einer akribischen Einarbeitung in neue Themenbereiche, zeichnen ihn aus, und das wissen auch seine Aargauer Kollegen, die sich von Furers Schwung auch im BDW einiges versprechen.

 


Wein, Essig und Saft: das Sortiment der Mosti in Staufen. (© O+W)

 

Politische Dimensionen

Einer wie Pascal Furer ist es gewohnt, sich schnell eine Meinung zu bilden und diese auch wortgewandt zu verteidigen bzw. zu verkünden. Somit ist es nicht schwer, ihn bei gewissen Themen gleich auf Betriebstemperatur zu bringen. Als Politiker ist er ganz auf Linie mit seiner Partei, kämpft für den Bauernstand und wehrt sich gegen Bürokratie und Bevormundung, wie letzthin bei der Einführung der Fachbewilligung Pflanzenschutz (FaBe), die für ihn zu viele Schwachstellen aufweist. Gleichwohl könnte es überraschen, dass er die von Welschen Kollegen geforderte Zollkontingentierung für ausländische Weine kritisch sieht. «Unsere Situation ist zwar nicht mit jener in der Westschweiz vergleichbar, aber die vom BLW vorgeschlagene Lösung führt auf den Holzweg.» Gemeint ist hier die Idee, basierend auf der Verarbeitung einheimischer Trauben Kontingente zu vergeben, die es erlauben, ausländische Weine zu einem tieferen Zollsatz zu importieren. Der BDW ist dagegen, aber Furer räumt ein: «Wir haben gegen die Westschweizer Kollegen rein stimmenmässig keine Chance. Wir finden das den falschen Weg.»

 

«Man muss schon darauf achten, dass die Work-Wine-Balance stimmt.»

Pascal Furer

 

Noch deutlicher wird er bei einem zweiten Aspekt, der in der Westschweiz bereits umgesetzt wird: Mit den neu gesprochenen zehn Millionen Franken für Strukturverbesserungen, die nur für Rodungen eingesetzt werden können. «Der Betrag hat falsche Vorstellungen ausgelöst und ist imageschädigend für die Branche.» Aus diesem Grund sieht er die Prämie von Fr. 10 000.–/ha als nicht zielführend. Die Probleme, die besonders im Westschweizer Weinbau virulent sind, anerkennt er durchaus. Ein Strukturwandel ist unumgänglich. Er meint lapidar: «Mehr trinken oder Reben ausreissen.» Diese Gelassenheit rührt von der Kenntnis der aargauischen Verhältnisse her. Zwar sei es auch da schwieriger geworden, an die Kunden zu kommen, sagt er. Aber mit Qualität und einem regionalen Ansatz erreiche man die Ziele. Das sieht man auch an den sehr erfolgreichen «Offenen Weinkellern». Kein Wunder, erhofft er sich von den Exportanstrengungen der Swiss Wine Promotion (SWP) im Ausland nur wenig. In Fernost oder Nordeuropa für Schweizer Wein Werbung zu machen, erachtet er nicht als Primärziel. Viel wichtiger ist es ihm, aufzuzeigen, wo die Gelder sinnvoll ins Marketing und die Branchenpolitik investiert werden, damit jede Winzerin und jeder Winzer einsieht, warum sie oder er die Mitgliederbeiträge zahlen soll. «Nur eine vereinte Branche kann etwas bewirken», ist er überzeugt, «deshalb mag ich auch keine Trittbrettfahrer, die nur profitieren, aber sich um den Rest foutieren.»

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