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Resilienz für heute und morgen – FiBL Weinbautagung 2026

Klimawandel, neue Schädlinge und Marktveränderungen fordern Winzerinnen und Winzer heraus. Um sich gegen diese Veränderungen resilient aufzustellen, bot die FiBL Weinbautagung 2026 in Olten einen praxisnahen Austausch.

Artikel von:
Michelle Knecht
FiBL
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 06 / 2026 , S. 24

Die Tagung begann mit Neuigkeiten zu den Bio-Richtlinien 2026, gefolgt von zehn Kurzvorträgen in Deutsch und Französisch zu Pflanzenschutz, Bodenbearbeitung und Marktentwicklungen.

 

Goldgelbe Vergilbung – eine unterschätzte Gefahr

Zentrales Thema war die Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée). Patrik Kehrli von Agroscope warnte vor dieser meldepflichtigen Quarantänekrankheit, die durch zellwandlose Bakterien ausgelöst wird. Hauptüberträger ist die eingeschleppte Amerikanische Rebzikade. Importiertes befallenes Pflanzgut gilt als Hauptursache der Ausbreitung.

Die Symptome ähneln Bois Noir und sind nur durch Laboruntersuchungen sicher zu unterscheiden. «Drei Symptome sind entscheidend und müssen gleichzeitig vorhanden sein», erklärt Kehrli, «gelbliche bzw. rötliche Blätter mit eingerollten Rändern, ausbleibende Verholzung der Triebe und verwelkte Trauben.» Die Krankheit führt zum Absterben der Rebstöcke, eine kurative Feldbehandlung existiert nicht. Ist die Krankheit bestätigt, müssen die Rebzikaden mit Pyrethrum bekämpft werden, das trotz Biozulassung als bienen- und gewässertoxisch gilt. Prävention bleibt daher oberstes Gebot: Importiertes Pflanzgut muss zwingend heisswasserbehandelt werden.

 


Die Anzeichen für die Flavescence dorée ähneln jenen der Bois Noir. (© Agridea)

 

Mehltau lässt grüssen

Auch dieses Jahr war der Echte Mehltau ein Thema. Mehrere Referierende betonten, dass längere Trockenperioden kombiniert mit hoher Luftfeuchtigkeit den Krankheitsdruck erhöhen könnten. Pilzwiderständige Sorten (Piwi) können da Abhilfe leisten. Derzeit sind allerdings nur 3.9 % der Schweizer Rebflächen damit bepflanzt. Lucca Zachmann von der ETH Zürich zeigte, dass Piwis besonders in der Nähe von Wohngebieten und Seen angepflanzt werden, was Vorteile für Mensch und Umwelt mit sich bringt, da der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden kann.
Michael Riemann vom FiBL betonte, dass trotz des Piwi-Labels ein gewisser Pflanzenschutz nötig sei, um Resistenzdurchbrüche zu verhindern. Prognose-Modelle wie RIMpro können dabei unterstützen.

 

Aktuelle Forschung im Pflanzenschutz

Das FiBL testet «AQ10», einen natürlichen Gegenspieler des Echten Mehltaus, bisher mit zu niedriger Wirkung. Möglicherweise seien die Applikationszeitpunkte nicht gut genug gewählt worden, so Miro Zehnder vom FiBL, weitere Tests seien bereits geplant. Problad, ein Lupinenextrakt, zeigt erfreulicherweise eine vergleichbare Wirkung wie Schwefel auf Blättern und Trieben, auf Trauben sogar noch besser.

 

Bei zu viel Auswahl zählt das Etikett

Am Nachmittag stellte Katharina Kleiner vom Weincampus Neustadt (Rheinland-Pfalz) praxisnahe Studien zum Konsumverhalten vor. Glaubwürdigkeit, Sichtbarkeit und starke Kommunikation sind wichtige Faktoren für den Weinkauf. «Ihre Marke ist so stark wie ihre Kommunikation», sagte sie. Eine gezielte Ansprache von Kundengruppen könne somit helfen, in der Angebotsflut wahrgenommen zu werden und nachhaltigere Kaufentscheidungen mitzusteuern, so Kleiner. Denn Resilienz für heute und morgen funktioniere nur zusammen mit der Kundschaft.

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