Editorial

Süss-sauer

Artikel von:
Markus Matzner
Chefredaktor Obst+Wein
Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 03 / 2026 , S. 3

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Eines muss man den Verantwortlichen der Vereinigung Fructus lassen: Sie haben ein gutes Gespür, welche Obstsorte des Jahres es verdient hat, eine Renaissance zu erleben. Dass es dieses Jahr eine Sauerkirsche mit dem fast schon gotthelfschen Namen «Hallauer Aemli» trifft, ist doppelt schön. Denn welche Furcht würde besser in unsere Zeit passen, als eine süss-saure, eine die man zuerst schätzen lernen muss, die verarbeitet gehört und die nicht vordergründig plump dank einer fetten Fruchtigkeit punktet. Nein, das «Aemli» muss erobert werden und erst dann sieht man seine Vorzüge und Werte. Mehr zu diesem Früchtchen lesen Sie hier.

 

Es ist ein Zufall und vielleicht doch auch keiner. Das Wallis steht auch in diesem Heft im Fokus: Zum einen gehen wir nochmals auf die Agrovina ein, die Leitmesse für den Obst- und Weinbau, und gleichzeitig porträtieren wir den Walliser Winzer Joël Briguet, der mit seiner «Cave La Romaine» zum Weingut des Jahres gekürt wurde. Das Wallis und das Waadtland sind die grössten Weinkantone der Schweiz, und sie haben auch die grössten Absatzprobleme. Aus Deutschschweizer Sicht keimt das Gefühl, dass gewissen Akteuren aus diesen Kantonen die Konsequenzen daraus zu wenig bewusst sind. So steht die logische Folge, marktkonformer zu produzieren, nicht an vorderster Stelle.

 

Was wurde nicht schon alles übers Terroir geschrieben und gefachsimpelt? Klar ist entscheidend, auf welchem Boden die Reben wachsen, aber chemisch ist es eben nicht so einfach, eine Kausalität zwischen Bodenbeschaffenheit und Weinqualität herzustellen. Gerade der Begriff Mineralität verleitet dazu, dass sich jeder etwas darunter vorstellen kann, weil es einleuchtet. Aber analytisch und sensorisch lassen sich diese sprachlichen Bilder nicht erhärten.

 

Ich wünsche Ihnen daher einen «puren» Lesegenuss!

 

Ihr

Markus Matzner
Chefredaktor Obst+Wein

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